Eine Meta Ray-Ban Smartbrille kostet im Einzelhandel 299 US-Dollar, doch die chinesischen Zulieferer, die sie herstellen, erzielen dabei möglicherweise einen Gewinn von weniger als 30 US-Dollar. Gleichzeitig sind chinesische Unternehmen für über 80 % der globalen Lieferkette für KI-Brillen verantwortlich – von Kameramodulen und optischen Beschichtungen bis hin zur Endmontage. Jedes Segment hält dabei einen globalen Marktanteil von über 50 %.
„80 % in China“ ist mittlerweile die Standardfloskel in Pressemitteilungen von Fachmessen. Doch nur selten fragt jemand: Welchen Anteil der Wertschöpfungskette decken diese 80 % tatsächlich ab?
Eine detaillierte Kostenaufstellung verdeutlicht die Realität. Optische Module verschlingen über 40 % der Materialkosten, Chips weitere 30 % – zusammen über 70 %. Allein Qualcomms AR1 Gen 1 Chip kostet fast 50 US-Dollar, und ein Waveguide-Displaymodul schlägt mit mehreren Hundert Yuan zu Buche. Nach Abzug der Kosten für Material, Forschung und Entwicklung, Marketing und Kundendienst bleibt dem Hersteller kaum noch Gewinn übrig. Noch absurder: KI-Audiobrillen der Einstiegsklasse ohne Kamera, die per ODM in Massenproduktion hergestellt werden, kosten nur 7 US-Dollar. „Ähnliche Funktionen“ – aber ein dreifacher Preisunterschied.
Führende chinesische Hersteller von KI-Brillen erzielen Bruttomargen im Hardwarebereich von rund 30 %, und die meisten Start-ups sind auf Risikokapital angewiesen. „Der Hardwarebereich wird im Wesentlichen von der Lieferkette kontrolliert; das große Geld liegt in der vorgelagerten Wertschöpfungskette“ – doch selbst diese Marge ist hauchdünn.
Wenn die Entwicklung von KI-Brillen durch China als Durchbruch gefeiert wird, fragt man sich: Liegt die wahre Macht in der Lieferkette oder bei den Marken und Chipherstellern? Definieren chinesische Hersteller tatsächlich KI-Brillen oder arbeiten sie lediglich für andere Marken?
Veröffentlichungsdatum: 13. Juli 2026
