Einst als Spielerei für Technikbegeisterte belächelt, halten KI-Brillen nun in erstaunlichem Tempo Einzug in den Alltag.
Laut dem jüngsten IDC-Bericht erreichten die weltweiten Auslieferungen von KI-Brillen im ersten Quartal 2026 3,566 Millionen Einheiten, ein Plus von 130,1 % gegenüber dem Vorjahr. Davon entfielen 2,248 Millionen Einheiten auf Audio- und Audio-Kamera-Brillen (ein Anstieg von 167,4 %), während die Auslieferungen von AR/VR-Brillen 1,318 Millionen Einheiten erreichten (plus 85,9 %). IDC prognostiziert, dass chinesische Hersteller von Smart Glasses im Jahr 2026 einen globalen Marktanteil von 45 % erreichen werden.

Hinter den Zahlen verbirgt sich eine grundlegende Transformation der Produkte selbst.
In der Vergangenheit waren die größten Kritikpunkte an Smartglasses der Tragekomfort – zu hohes Gewicht, kurze Akkulaufzeit und eine Überfülle an auffälligen, aber unpraktischen Funktionen. Daten zeigen, dass im letzten Jahr über 200 neue Funktionen für verschiedene Smartglasses-Modelle eingeführt wurden, die langfristige Nutzerbindung dieser Funktionen jedoch unter 6 % lag. Mehr Funktionen bedeuteten oft eine schlechtere Nutzererfahrung – ein Paradoxon, das die Branche plagte.
Doch 2026 sieht die Lage anders aus. Gängige Produkte wiegen mittlerweile zwischen 40 und 50 Gramm, manche Modelle fühlen sich fast wie normale Brillen an. Rayneos neuestes Modell V4 wiegt nur 38 Gramm und ist mit Festkörperbatterien ausgestattet, die die Akkulaufzeit und den Schutz vor Staub und Wasser deutlich verbessern. Auch iFlytek hat seine neue KI-Brille vorgestellt, die 40 Gramm wiegt und Echtzeitübersetzungen in 122 Sprachen in verschiedenen Szenarien unterstützt. Branchenanalysten stellen fest, dass Edge-Side-basierte Sprachmodelle, optische Wellenleitertechnologie und Mikrobatterielösungen immer ausgereifter werden und zentrale Probleme wie Größe und begrenzte Akkulaufzeit effektiv lösen.
Auch die Anwendungsfälle nehmen rasant zu. Waren es anfangs einfache Head-up-Displays, unterstützen KI-Brillen heute Echtzeitübersetzungen, Reiseplanung, Sprachsteuerung und sogar die Sehkraftkontrolle bei Kindern. Die Technologie entwickelt sich vom bloßen Tragen zum praktischen Nutzen.
Die industrielle Infrastruktur entwickelt sich rasant. Mitte Juni veröffentlichte Shenzhen Chinas ersten Industriestandard für Smart Glasses (Entwurf), der allgemeine technische Anforderungen sowie standardisierte Schnittstellen und Protokolle festlegt. Gleichzeitig wurde ein eigens dafür eingerichteter Industriefonds für Smart Glasses in Höhe von 2 Milliarden Yuan offiziell ins Leben gerufen. Auf politischer Ebene werden KI-Brillen ab 2026 erstmals in das nationale Förderprogramm für digitale Produktmodernisierungen aufgenommen. Der Online-Handel verzeichnete im ersten Quartal einen Anstieg von 161,9 % im Vergleich zum Vorjahr.
Die Vorhersage von Rayneo-CEO Li Hongwei könnte sich durchaus bewahrheiten: „Die nächsten ein bis zwei Jahre werden die kritischste Phase für Smart Glasses sein, und sie werden wahrscheinlich ihren eigenen ‚iPhone-Moment‘ erleben.“
Vom Nischenprodukt zum täglichen Begleiter – diese Brillen läuten eine neue Ära ein.

Veröffentlichungsdatum: 23. Juni 2026